Ein Meisterwerk zu schaffen und Nordkorea zu reformieren, hat erstaunlich viel gemeinsam. Wir kennen die notwendigen Bestandteile, Werkzeuge und verfügbaren Techniken; zahlreiche Vergleichsfälle und eine große Menge an Literatur, die wir studieren können, stehen uns zur Verfügung. Dennoch können nur die wenigsten von uns – wenn überhaupt jemand – Kunst schaffen, die der der alten Meister wie Rembrandt oder Kim Hong-Do gleichkäme.
Mit Reformen ist das ganz ähnlich. In der Theorie scheint es einfach, Nordkoreas Potenzial zu realisieren. Staatssozialistische Systeme und die Gründe für ihre Probleme sind seit Jahrzehnten gut erforscht. Wir verfügen über ein wachsendes empirisches Wissen zu Nordkorea. Auch können wir Transformationen in China, Vietnam und Osteuropa zum Vergleich heranziehen. Anreize müssen offensichtlich so gesetzt werden, dass Ressourcen effizienter verteilt werden. China hat gezeigt, dass dies nicht unbedingt einer vollwertigen Demokratie nach westlichem Modell bedarf. Es genügen eine stabile Währung, Märkte, auf denen Nachfrage und Angebot zu realistischen Preisen führen, Privateigentum und eine Wirtschaft, die Waren, Dienstleistungen, Kapital und Technologien frei importieren und exportieren kann.
Wir wissen ferner, dass Nordkorea ein Nahrungsmittel-, Energie- und Logistikproblem hat. Uns ist bekannt, dass es, zumindest theoretisch, unter erhöhtem Einsatz von Düngemitteln, Elektrizität, Brennstoffen und Maschinen mehr Nahrungsmittel produzieren könnte, gegenwärtig jedoch die Notwendigkeit, Nahrungsmittel zu importieren, die prekäre Situation des Nordens hinsichtlich der Agrarproduktion widerspiegelt. Wir wissen, dass Nordkorea natürliche Ressourcen im Überfluss besitzt, dass diese eine potentielle Quelle harter Währung sind und dass es eine geschickte Strategie wäre, diese Ressourcen weiterzuverarbeiten, bevor sie exportiert werden.
Was Reformen angeht, verstehen wir durchaus die inländischen Einschränkungen, denen sich Kim Jong-Un gegenübersieht. Für eine allmähliche und kontrollierte Entwicklung, die von der Führung bevorzugt wird, damit sie an der Macht bleiben kann, müssten Reformen sich als »Top-down«-Prozess vollziehen. Die autoritäre Führung in Pyongyang müsste auf eine angemessene Verteilung von Nutzen und Kosten unter den Familienmitgliedern, Aristokraten und Bürokraten achten, entsprechend des Konzepts von divide et impera, das weltweit jahrhundertelang erfolgreich angewandt worden ist.
Die geopolitische Situation ist kompliziert, aber alles andere als unergründlich. Das Land sieht sich einem im überwältigenden Maße mächtigen »Freund« gegenüber, dessen Umarmung potenziell erstickend wirkt. Bemerkenswerterweise wurde während meines letzten Besuchs in Nordkorea im Mai diesen Jahres Chinas Entscheidung, UN-Sicherheitsratssanktionen zu unterstützen, offen als Verrat gekennzeichnet. Die USA werden als globaler Tyrann mit einem großen Knüppel betrachtet, der den Regimen in Afghanistan, Irak und Libyen gegenüber keine Gnade walten ließ und kürzlich seine Macht über Korea mit Militärübungen einschließlich Flugzeugträgern, Aegis-Kreuzern und Tarnkappenbombern zur Schau stellte. Japan steht im Verdacht, von der Wiedererlangung verlorenen Einflusses in der ehemaligen Kolonie zu träumen. Südkorea wird als einst bitterarmer Bruder gesehen, der äußerst erfolgreich geworden ist und zum Familienoberhaupt avancieren will. In solchen Gewässern zu manövrieren, lässt Odysseus‘ Passage zwischen Scylla und Charybdis wie einen Sonntagsspaziergang aussehen.
Soviel zur Theorie. Eigentlich sollte alles klar sein, doch gestaltet sich die Praxis tatsächlich entsprechend? Nordkorea unter Kim Jong-Un hat sich innenpolitisch in vielversprechender Weise entwickelt. Bereits im Dezember 2011, noch vor seiner formellen Machtübernahme, versprach Kim im typisch paternalistischen Stil, dass er für das materielle Wohlergehen seines Volkes sorgen werde. In den ersten Monaten seiner Herrschaft war der neue Führer sehr viel aktiver als erwartet. Öffentlich kritisierte er Funktionäre wegen des unzureichenden Zustandes des Mangyeongdae-Vergnügungsparks und schob damit die Verantwortung von sich: Was im Lande nicht funktioniert, ist Schuld des mittleren Managements, nicht der obersten Führung. Dieser neue Populismus fand weiteren Ausdruck in öffentlichen Reden, engem körperlichem Kontakt mit seinen Untergebenen während Führungsbesuchen, dem raschen Eingeständnis von Fehlern wie beim Raketenstart im April 2012 und nicht zuletzt im Auftritt einer »First Lady«, einer Neuheit in der nordkoreanischen politischen Arena. Der neue Kim unterstützte die Moranbong-Band, deren Mitglieder, wenn auch nicht ganz K-Pop, den Status von Stars genießen. Freilich ist es schwierig, die Bedeutung einiger Ereignisse voll und ganz zu verstehen, wie zum Beispiel die bizarre Disney-Darstellung im Juli 2012 oder den Besuch des ehemaligen NBA-Stars Dennis Rodman im Februar 2013. Sie sind vielleicht am besten als eine lokale Variante der »Brot und Spiele«-Beschwichtigungsstrategie zu verstehen, die schon der antike römische Dichter Juvenal beklagte.
Zusätzlich konnten wir eine erstaunliche Dynamik in der Führungsspitze beobachten. Vizemarschall RI Yong-Ho, ein aufgehender Stern seit der Parteikonferenz im September 2010, musste einem vorzeitigen Ende seiner Karriere zusehen; ersetzt wurde auch der Verteidigungsminister, was die Zahl der Inhaber dieses Postens auf drei in nur 17 Monaten brachte. Gleichzeitig wurde es Spitzenfunktionären wie den Politbüro-Mitgliedern Kim Yong-Nam, CHOE Ryong-Hae und Premier CHOE Yong-Rim gestattet, ein ungewöhnlich hohes Maß an Medienaufmerksamkeit zu erhalten, was fast den Eindruck einer milden Form einer kollektiven Führung schuf. Aber Premier CHOE wurde mittlerweile ersetzt in einem Zug, den wir als erneute Machtdemonstration interpretieren können. Niemand in der Elite sollte seine Position für selbstverständlich halten. Die Tatsache, dass der als wirtschaftlicher Pragmatiker geltende PAK Pong-Ju als Premier und neuer Führer des Kabinetts zurück ist, ist ein Hoffnungszeichen.
Die Bevölkerung hat von diesen Entwicklungen Notiz genommen. Während eines Besuchs im April 2012 erschienen mir die Nordkoreaner ziemlich angespannt und nervös, unsicher darüber, was unter dem neuen Führer passieren wird, hin- und hergerissen zwischen Hoffnung und Sorge. Im September desselben Jahres war die Atmosphäre deutlich positiver und beinahe optimistisch. Dieser Eindruck blieb auch während meines Besuchs im Mai 2013 unverändert und dies trotz der mageren Jahreszeit und dem Propaganda-Kräftemessen mit dem Westen nur einige Wochen zuvor. Ich bemerkte auch eine wachsende Zahl von Kurzhaarfrisuren bei Frauen, besonders in Pyongyang, die dem modernen Stil der »First Lady« ähnelten und die man als Zeichen wachsenden Selbstvertrauens von Individuen ansehen könnte. Zwischen meinen zwei Besuchen 2012 hatte sich die Zahl der Stände, die Brot, Mineralwasser, Bingsu (Eiswasser) und Zigaretten verkaufen, vervielfacht; sie waren an fast jedem Knotenpunkt in Pyongyang, in Provinzstädten und auf dem Land zu finden. Sie waren zudem anspruchsvoller geworden.
Im Mai dieses Jahres bemerkte ich den nächsten Schritt in einem Anstieg kommerzieller Aktivitäten. In der Hauptstadt sind nun viele der einst freistehenden Stände in reguläre Gebäude integriert. In den Hauptstraßen stößt man fast alle 50 Meter auf Schilder für Sikdang (Restaurant) und Sangjeom (Kombination aus Laden, Restaurant und Dienstleistungsstätte). In Provinzstädten und auf dem Lande dominieren die Stände noch, aber auch dort steigt die Zahl professionellerer kommerzieller Einrichtungen.
Zudem hat sich ein Sinn für Wettbewerb herausgebildet. Unternehmen zeigen stolz ihre Markennamen auf neuen, gold-bronzen bemalten Schildern. Rot-blaue Aufkleber auf Eingangstüren weisen darauf hin, dass die Narae Card, eine lokale Geldkarte, akzeptiert wird. Die zumeist patriotischen Namen können nicht verbergen, dass sowohl Anbieter wie auch Kunden in Nordkorea offensichtlich einen Sinn für Marken entwickelt haben, einschließlich und jenseits großer lokaler Namen wie Mongnan Video oder Pyonghwa Autos. Es gibt mehr Produkte zur Ansicht und zum Verkauf und es gibt mehr Kunden mit Geld. Pyongyang ist führend, aber Städte wie Nampo, Sariwon und Kaesong folgen auf dem Fuße. Die Preise sind häufig horrend. Drei Kilo Äpfel kosten so viel wie ein (offizielles) Monatsgehalt. Aber die Tatsache, dass sogar Waren wie Bananen verkauft werden, ist erstaunlich.
Für eine wachsende Zahl von Leuten scheint die Herausforderung nicht mehr im Zugang zu Waren und Dienstleistungen zu bestehen, wie es in der Vergangenheit und in den meisten klassischen sozialistischen Ökonomien der Fall war. Was jetzt zählt, ist den richtigen Betrag in der richtigen Währung zu haben, so wie es auch im Westen üblich ist. Sicher, das ist mehr als schwierig für viele, aber es spiegelt eine weitere Normalisierung ökonomischer Verhältnisse wider, zumindest auf individueller Ebene. Der Staat und die Bevölkerung Nordkoreas sind dabei zu lernen, wie mit den Auswirkungen von Vermarktlichung und Monetarisierung umgegangen werden kann.
Nach Jahrzehnten der Aufspaltung der Bevölkerung in eine kleine und meist unsichtbare Elite und allen anderen ist für jedermann erkennbar eine Mittelklasse von ca. 2 Mio. Menschen entstanden. Dies sind Menschen, die Mobiltelefone haben, Taxis nutzen und mit einer erstaunlichen Vielfalt an Kleidung und Zubehör zu sehen sind. Der örtliche 7-Zoll Tablet-Computer Samjiyon wird für $180 verkauft und ist ausgestattet mit dem Android-Betriebssystem und einigen Apps wie einem Wörterbuch, Janggi (Koreanischem Schach) und einer Sammlung der Werke der zwei verstorbenen früheren Führer, Kim Il-Sung und Kim Jong-Il.
Inline-Skating war schon länger ein heißer Trend unter Kindern in der Hauptstadt und hat sich nun aufs Land ausgebreitet. Im Mai sah ich zum ersten Mal einen 16-jährigen Jungen in blauen Jeans und wir konnten ein Gespräch führen, das nicht vorher arrangiert war. Restaurants verkauften üppige Speisen an ihre Kunden, die so wohlgenährt waren, dass sie Rindfleisch auf dem Teller übrig ließen. Andere genossen einen Tag in einem Heilbad in einem Hotel in Pyongyang; alles bezahlt in harter Währung.
Museen und andere Orte, einschließlich des »Großen Studienpalastes des Volkes«, haben nun ebenfalls Einkaufsmöglichkeiten. Man kann ein kleines Tuschegemälde von CHONG Chang-Mo, einem der führenden Künstler des Landes, für 1.400 EUR im Kaesong- Briefmarkenladen erwerben. Diejenigen, die es unbequem finden, große Bündel Geldscheine in ihren Hosentaschen herumzutragen, können eine von zwei Bargeldkarten, die rot-blaue Narae, die von der Außenhandelsbank ausgegeben wird, und die goldene Koryo, die von der Koryo-Bank ausgegeben wird, in Taxis und einer wachsenden Zahl von Geschäften benutzen.
Die Zahl von Ampeln, die die ikonischen »Blumen von Pyongyang« (auch bekannt als Verkehrspolizistinnen) ersetzen, ist weiter gestiegen und es kommt häufig zu kleinen Staus. Die Schnellstraßen sind immer noch leer, aber Straßen in der Hauptstadt werden nun von einer großen Vielfalt moderner PKWs dominiert, die sowohl im Land als auch im Ausland hergestellt werden. Die Zahl von gelben Zulassungschildern, die Privateigentum anzeigen, nimmt zu. Die alten Oberleitungsbusse, von denen einige viele Millionen Kilometer abgefahren haben (man muss nur die roten Sterne an ihren Seitenflächen abzählen, einer pro 50.000km) werden durch neue ersetzt, die in Pyongyang produziert werden.
Die Lebensqualität in der Hauptstadt unterscheidet sich erheblich von der im Rest des Landes. Einige Beobachter glauben, dies werde die Unzufriedenheit verstärken; ich würde sagen, es lenkt geschickt die Aufmerksamkeit von den glitzernden ausländischen Metropolen ab, die auf unerlaubt hergestellten DVDs und USB-Sticks zu bestaunen sind, und bietet der Bevölkerung ein heimisches Xanadu. Die zentrale Frage für soziale Stabilität ist daher nicht, wovon »Landeier« träumen, sondern wonach Mittelklasse-«Pyongyanger« streben.
Unterdessen ist die Zahl von Solarkollektoren und kleinen Windrädern angestiegen, mit denen die Landbevölkerung das Problem löst, weniger privilegierten Zugang zu Energie zu haben. Auf der ideologischen Seite bemerkte ich eine andauernde Aktualisierung und Abschwächung von Parolen und Monumenten. Eine Neuerung, der ich zum ersten Mal im September 2012 begegnete, konnte bei meinem letzten Besuch bestätigt werden: Weniger demonstrative, oder in den Worten eines Nordkoreaners mehr »natürlich aussehende« Parolen, die von mehr als 100 m Entfernung kaum zu lesen sind. Ich stieß allein in Pyongyang auf geschätzte 50 und mehr solcher Parolen. Außerdem ist mein Eindruck, dass die Gesamtzahl von Parolen und Postern abgenommen hat. Sicher, es sind noch genügend von ihnen übrig, viele im typischen auffallenden rot-weiß Motiv, aber scheinbar will der neue Führer sein Volk mehr durch Taten als durch Worte beeindrucken. Dies hielt ihn jedoch nicht davon ab, die ersten Abzeichen mit seinem eigenen Bild herauszugeben, allerdings habe ich sie bisher nur einmal in der Pyongyanger Metro gesehen.
Trotz all dieser Veränderungen sind viele der alten Probleme ungelöst geblieben. Preise steigen, Spekulation wuchert und die Frustration steigt gemeinsam mit der Korruption und einer immer stärker offensichtlichen Kluft zwischen den Massen und der neuen Mittelklasse an.
Es wäre unrealistisch anzunehmen, Kim Jong-Un hätte auch nur theoretisch eine Chance gehabt, das Leben der Mehrheit seiner Bevölkerung innerhalb eines Jahres nach seiner Machtübernahme signifikant zu verbessern. Aber er war nicht untätig. Ungleichheit in Nordkorea ist ein Zeichen eines sich vertiefenden Wandels. Eine wachsende Einkommens- und Wohlfahrtsdiskrepanz zwischen Individuen weist darauf hin, dass die Wirtschaft in Bewegung ist, weg von einem sozialistischen Egalitarismus hin zu einer Diversität, wie sie kapitalistischen Gesellschaften zu eigen ist.
In vielerlei Hinsicht scheint der Staat entspannter zu sein. Stellen Sie sich die Aufregung meiner ausländischen Reisegefährten vor, als sie begannen, über südkoreanische Mobilfunknetze Textnachrichten aus den USA und Europa auf ihren erst seit Januar im Lande erlaubten ausländischen Mobiltelefonen zu empfangen – während wir vor der Kim Il-Sung Statue in der nahe der Grenze liegenden Stadt Kaesong standen. Unseren nordkoreanischen Begleitern schien das nicht viel auszumachen.
Die Weichen sind gestellt, Erwartungen wurden geschaffen. Nun kommt der schwierige Teil: Wege zu finden, wie die wirtschaftliche Entwicklung gefördert und gleichzeitig die Stabilität des politischen Systems gewahrt werden kann. Reform ist die einzige Option für Kim Jong-Un, aber die Implementierung wird nicht einfach, da er viele Aufgaben auf einmal zu bewältigen hat. Die Landbevölkerung und die Massen müssen an zukünftige Verbesserungen glauben; der Mittelklasse in der Hauptstadt müssen Zusicherungen einer fortgesetzten Aufwärtsmobilität gemacht werden; und die Elite muss sich ihrer Privilegien sicher fühlen, ohne zu selbstbewusst zu werden. Nordkorea braucht den Weltmarkt, um seine Handelseinnahmen zu steigern und seine Abhängigkeit von China zu verringern. Aber ohne die Zustimmung der USA ist dies eine flüchtige Hoffnung, solange Washington ein Ende des Atomprogramms verlangt. Das wiederum ist eine Bedingung, die Kim Jong-Un derzeit unmöglich akzeptieren kann, da sie mit der inneren und äußeren Stabilität seiner Macht zu tun hat.
Der jüngste Einsatz der Kaesong-Industriezone durch Nordkorea als Druckhebel auf Südkorea mag zeitweilig funktioniert haben, aber er hat es noch schwieriger gemacht, das Vertrauen von Investoren und Handelspartnern zu gewinnen. Der Streit mit den USA und Drohungen eines Atomkrieges im April 2013 waren auch nicht sonderlich hilfreich, auch wenn ich argumentieren würde, dass Kim Jong- Un damit lediglich auf zugegeben unorthodoxe Weise seine Position im Inland wie international stärken wollte, bevor er riskante Reformen in Angriff nimmt. In Wahrheit jedoch wissen wir zu wenig über die internen Dynamiken und Entscheidungsprozesse der nordkoreanischen Führung, um uns dessen sicher zu sein. Kim Jong-Un kann einfach nicht dem Vermächtnis der Vergangenheit entkommen.
Er muss die Interessen verschiedenster Gruppen innerhalb der politischen Führungsspitze berücksichtigen. Wie die Schaffung eines Meisterwerks scheint die Reformierung Nordkoreas in der Theorie einfach zu sein, in der Realität ist sie jedoch hochkomplex.
Daher ist eine geschickte Politik seitens der internationalen Gemeinschaft erforderlich. Die offensichtliche Strategie für Seoul wäre die Unterstützung positiver Trends durch den Ausbau von Handel und Investitionen. Die vielen negativen und frustrierenden Erfahrungen der Vergangenheit sollten eine Lektion sein, nicht zu viel zu erwarten (bzw. zu versprechen). Eine systemisch gescheiterte sozialistische Wirtschaft zu transformieren ist nie einfach gewesen, insbesondere wenn der Prozess graduell vonstattengehen soll. Die Versöhnung zweier Teile einer Nation, die einst einen blutigen Bürgerkrieg geführt und beinahe 70 Jahre lang getrennt voneinander existiert haben, ist eine gigantische Aufgabe. Zu akzeptieren, dass eine erfolgreiche Reform eventuell die Verlängerung des gegenwärtigen Regimes bedeutet, ist für viele eine bittere Pille. Was aber sind die Alternativen?
Original published in Global Asia, Vol. 8, No. 2, Summer 2013.
Übersetzt aus dem Englischen von SHIN Hyo-Eun.
