Der zweifache Abwurf von Atombomben der USA hat die Zerstörungskraft von Atomwaffen und den Willen, von diesen auch Gebrauch zu machen, offenbart. Die Monopolisierung von Atomwaffen war außerdem ein Versuch, die Verbreitung des Einflusses der ehemaligen Sowjetunion auf Ostasien zu verhindern. Durch diese Monopolisierung war die anfängliche Form der Diskussion über Atomwaffen des »durch die erhabene Kriegsmacht der Sowjetunion befreiten« Nordkoreas das Verbot solcher Waffen. Am 13. März 1947 erschien der Artikel »Über das Problem des Atomwaffenverbots« in der nordkoreanischen Zeitung »Rodong Sinmun«. Am 24. August desselben Jahres wurden Artikel mit Titeln wie z.B. »Wer ist gegen das Verbot von Atomwaffen?« veröffentlicht. Am 24. Februar 1949 wurde in der “Rodong Shinmun” ebenfalls die Behauptung publiziert, dass die USA und England einer Diskussion um das Verbot von Nuklearwaffen ausweichten. Zwei Tage später, am 26.Februar 1949 erschien der Artikel »Die Sowjetunion steht beim Kampf für die Abrüstung und das Verbot von Atomwaffen an der Spitze«.
Der Diskurs über die Atomwaffen in Nordkorea wurde zum innenpolitischen Anlass im Zusammenhang mit der Friedensbewegung, bei der die kommunistische Partei der Sowjetunion eine große Rolle gespielt hatte. Etwa im Jahr 1947 formte die Kommunistische Partei der Sowjetunion ein nationales kommunistisches Sekretariat; das Kommunistische Informationsbüro (Kominform). Nachdem dieses die Welt in einen Sowjetischen Machtbereich, der Einfluss auf den Frieden hatte, und einen Amerikanischen Bereich, der Einfluss auf den Krieg hatte, aufgeteilt hatte, fing die Friedensbewegung an, sich auf internationalem Level zu organisieren.1 Die Ansicht, die Friedensbewegung trotz der Teilnahme der Sowjetunionals unparteiisch zu betrachten, wird von Ching Kai in: »Friedenswunsch und politische Mobilisierung: Die Unterschriftenaktionen für den Frieden in 1950er«, Baek Won-dam & Im U-gyeong (Hrsg.): Die Geburt Asiens im ‚Kalter Krieg’: Das Neue China und Korea Krieg« (Seoul: Munhwa gwahaksa, 2013); Die Rolle der Sowjetunion wird betont in: Barash and Webel: Peace and Conflict Studies, S. 39-40; die Geschichte der Friedensbewegung, Vgl. in: L. Wittner, One World or None: A History of the World Nuclear Disarmament Movement through 1953 (Standford: Stanford University Press, 1995).
Jedoch wird diese Friedensbewegung auch »in der Praxis als eine von der Partei unabhängige Demokratiebewegung und als Massenbewegung bewertet, die den Hauptgedanken »Gegen Atomwaffen« als größten gemeinsamen Nenner hatte. Im August 1948 wurde in Breslau (Wroclaw) in Polen der »Weltkongress der Kulturschaffenden für den Frieden« ins Leben gerufen2 Es nahmen berühmte Intellektuellen daran teil, wie z.B. der Künstler P. Picasso, der Kernphysiker F. Joliot-Curie sowie der Schriftsteller A. Huxley. und im April 1949 wurde der »Weltkongress des Weltfriedensrates« in Paris und Prag abgehalten, an dem 72 Staaten teilnahmen. Der Kernpunkt der zu besprechenden Themen war das Verbot von Atomwaffen.
Nicht mal ein Jahr nach der Staatsgründung Nordkoreas schickte Nordkorea eine Delegation auf diese Weltfriedensversammlung. Dies war so wichtig, dass in der im Jahr 1957 herausgegebenen Ausgabe des »Volkswörterbuch für politische Fachterminologie« sogar ein Paragraph für »Bewegung zum Schutze des Friedens« erschien.3 In: Wörterbuch für die Politik der Masse (Pyongyang: Joseon rodongdang chulpansa, 1957), S. 316-317. In der revidierten Ausgabe des Wörterbuchs für die Politik der Masse (1959, S. 296-297) wurde der Begriff für die USA als »US-Imperialisten« ausgetauscht und zu dem Begriff »Die Supermächte des Westens« wird der Relativsatz »die, die US-Imperialisten als Ungeheuer voranstellen« hinzugefügt. Wir können hier sehen, dass der Ausdruck für die USA noch radikaler wurde. Ferner werden westliche Parolen als »Anti-Sowjetunion und Anti-Kommunismus« bezeichnet. Die NATO wird auch vollständig ausgeschrieben. Die Ausgabe aus dem Jahr 1957 schreibt als Ziel für die »als Ziel für die Publikation vor, »Begriffe, die im Alltag und bei der politischen Bildung auftauchen der arbeitenden Masse wie Arbeitenden, Bauern und Bäuerinnen zu erklären und damit ihr Studium zu fördern«.
»Diese Bewegung ist in einer konfliktreichen Zeit die größte Volksbewegung, die gegen einen Krieg protestiert und für die Stärkung und Erhaltung des Friedens ist. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg schmiedeten die USA und die ihr folgenden Länder, die für Invasionen bereit waren, Komplotte gegen die Sowjetunion und Volksdemokratien, weshalb die Menschen dieser Länder, die die Gräuel des Krieges erfahren mussten, beängstigt waren. Im Jahr 1949 formten die westlichen Großmächte anschließend die NATO (North Atlantic Treaty Organisation) und ließen die Gefahr eines Krieges damit ein weiteres Mal anschwellen.«
Wie man aus den oben aufgeführten Zitaten entnehmen kann, rechtfertigte Nordkorea das Aufkommen der Friedensbewegung unter diesen politischen Umständen. Allerdings behauptet Nordkorea nicht, dass das sozialistische Lager den Anspruch auf die Friedensbewegung hätte.
»Die Besonderheit der jetzigen »Bewegung zum Schutze des Friedens« steht unter der Parole »Auf den Frieden soll man nicht warten, sondern man muss ihn erkämpfen«. Als aktive und strukturierte Volksbewegung stellte sie die Komplotte derjenigen bloß, die einen Krieg anzetteln wollten. Gleichzeitig wurden diese isoliert, damit es nicht zu einem Krieg kommen konnte. Diese Bewegung wurde ursprünglich durch progressive Intellektuelle der Kommunistischen Partei ins Leben gerufen, die ihren Mittelpunkt bildeten und unabhängig von ihren Vorstellungen, ihres Glaubens oder ihrer Nationalität daran teilnahmen. Durch die Teilnahme dieser rechtschaffenen Menschen, wurde sie letztendlich früh durch ihren Ausmaß und ihre Systematik zu einer Bewegung, die auch in ihrer Weite historisch betrachtet kein Ebenbild mehr findet.«
Der oben zitierte Interpretationsansatz zeigt ‚die Tatsache’ auf, dass der »Weltkongress des Weltfriedensrates« mit Ursprung bei den Intellektuellen und in der Kommunistischen Partei zu einer Bewegung umgestaltet worden ist, die unparteiisch geworden ist. Allerdings ist in dem »Wörterbuch für die Politik der Masse« aus dem Jahr 1959 kein Absatz zu finden, der besagt, dass die Bewegung durch kommunistische Parteimitglieder4In diesem Artikel wird das generische Maskulinum der Originalübersetzung beibehalten. oder Intellektuelle begründet wurde. Dies zeigt, dass das nur der Betonung der Unparteilichkeit der Bewegung dient. Ein weiteres Augenmerk der Interpretation ist, dass das hauptsächlich zur Diskussion gestellte Thema des »Weltkongresses der Kulturschaffenden für den Frieden« das Verbot von Atomwaffen und der Anti-Atom nicht mehr erwähnt werden.5 Im »Wörterbuch für die Politik der Masse« aus dem Jahr 2005 fehlt das Schlagwort »Bewegung zum Schutz des Friedens«. Es gibt nur noch Begriffe wie »Friedensstrategie« und »Pazifismus«, die Nordkorea im negativen Sinne benutzt. Letztendlich verschwand die Erinnerung an die Friedensbewegung, an der Nordkorea zu Beginn des Aufbaus des Staates teilgenommen hatte.
Nordkorea hat die Teilnahme an der Weltfriedensversammlung für die Ausdehnung der im Inland entstandenen Volksbewegung genutzt. Am 24. März 1949 wurde wie geplant für die Gründung der »Nationalen Versammlung zum Schutz des Friedens« und das »Komitee zum Schutze des Friedens für das gesamte Volk« eine Versammlung veranstaltet, bei der Bürgerinnen und Bürger aus allen Schichten der Bevölkerung ausgesucht wurden und daran teilnahmen. Mehrere Repräsentanten wurden für die »Nationale Versammlung zur Verfechtung des Friedens« zum Weltkongress in Paris geschickt: Seol-Ya Han, der als Romanschriftsteller und Delegierter der Obersten Volksversammlung Nordkoreas diese vertrat, Jeong- Ae Park, die als Vorsitzende des Volksgeneralverbands für Frauen in Nordkorea diese repräsentierte und Chang-Jun Kim, der zu der Zeit Vorsitzender des christlichen Volksverbandes war und damit die religiöse Welt vertrat. Dass Künstler und Wissenschaftler bei diesem Weltfriedenskongress teilnahmen, schien dem Charakter des Kongresses zu entsprechen. In der »Rodong Shinmun« ist die Mitteilung zu lesen, dass am 9.Juni 1949 die Delegierten, die an dem Weltkongress zur Verfechtung des Friedens teilgenommen hatten, wieder zurückgekommen sind.
Dass Nordkorea an dem Weltfriedenskongress, der unter dem Schlagwort »Gegen Atomwaffen« abgehalten wurde, teilgenommen hat, zeigt das Verständnis Nordkoreas für »die politische Wetterlage« und die Tendenz der sozialistischen Staaten auf. Durch den Text von Pak Hon-Yong, dem damaligen Vorsitzenden der Arbeiterpartei des Südens, verstand Nordkorea, die »Internationale Politik« aus dem Blickwinkel des Jahres 1949 nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zu analysieren. Dies war die Gegenüberstellung des »Demokratischen Lagers und des Imperialistischen Lagers«, genauer gesagt, die Konfrontation des Sowjetischen und Amerikanischen Lagers. Außerdem sah Nordkorea diese Außenpolitik der beiden Staaten, die eine Konfrontation der beiden Lager anschürte, als einen Weg, den Charakter des eigenen Staates zu formen. Anhand des Ausdrucks »Das Ziel der sowjetischen Außenpolitik, die aus dem Wesen des sowjetischen Staates entspringt« könnte man behaupten, dass das die Theorie der Außenpolitik darstellt, die Nordkorea adaptiert hatte.6 Zur »Theorie über das Lagerbildung« ist zu finden: Pak Hyeon-yeong: »Joseon minjuju-uei inmingonghoaguk jeongbu-uei daewe jeongchaek-e gwanghayeo«, in: Inmin, Februar 1946; Zur »das Ziel der Außenpolitik« in D. B. Levin. »Über die Probleme für die außenpolitischen Begriffe«, in: Inmin, März 1949. Beide Texte sind zu finden in: bukhangwangye saryojip Nr. 37 (Sammlung für historische Materialien zu Nordkorea)« (Gwacheon: Guksapyeonchangwiwonhoe, 2002) Mit der Aufnahme der Universalität der Friedensbewegung formte Nordkorea diese auf der koreanischen Halbinsel
zu einer Wiedervereinigungsbewegung um. Seol-Ja Han, der auf dem Weltfriedenskongress als Repräsentant Nordkoreas eine Rede gehalten hatte, kam bei seiner Rede auf der Versammlung, die bei der Rückkehr der Delegierten abgehalten wurde, auf die akute Aufgabe der Friedensbewegung zu sprechen. Angesprochen wurden der Abzug der US-amerikanischen Truppen aus Südkorea und die Wiedervereinigung des Landes. Mit anderen Worten wurde die Friedensbewegung als eine Bewegung für die Wiedervereinigung Koreas interpretiert.
Übersetzt aus dem Koreanischen von Anne Schwandke und Nataly Jung-Hwa Han.
- 1Die Ansicht, die Friedensbewegung trotz der Teilnahme der Sowjetunionals unparteiisch zu betrachten, wird von Ching Kai in: »Friedenswunsch und politische Mobilisierung: Die Unterschriftenaktionen für den Frieden in 1950er«, Baek Won-dam & Im U-gyeong (Hrsg.): Die Geburt Asiens im ‚Kalter Krieg’: Das Neue China und Korea Krieg« (Seoul: Munhwa gwahaksa, 2013); Die Rolle der Sowjetunion wird betont in: Barash and Webel: Peace and Conflict Studies, S. 39-40; die Geschichte der Friedensbewegung, Vgl. in: L. Wittner, One World or None: A History of the World Nuclear Disarmament Movement through 1953 (Standford: Stanford University Press, 1995).
- 2Es nahmen berühmte Intellektuellen daran teil, wie z.B. der Künstler P. Picasso, der Kernphysiker F. Joliot-Curie sowie der Schriftsteller A. Huxley.
- 3In: Wörterbuch für die Politik der Masse (Pyongyang: Joseon rodongdang chulpansa, 1957), S. 316-317. In der revidierten Ausgabe des Wörterbuchs für die Politik der Masse (1959, S. 296-297) wurde der Begriff für die USA als »US-Imperialisten« ausgetauscht und zu dem Begriff »Die Supermächte des Westens« wird der Relativsatz »die, die US-Imperialisten als Ungeheuer voranstellen« hinzugefügt. Wir können hier sehen, dass der Ausdruck für die USA noch radikaler wurde. Ferner werden westliche Parolen als »Anti-Sowjetunion und Anti-Kommunismus« bezeichnet. Die NATO wird auch vollständig ausgeschrieben. Die Ausgabe aus dem Jahr 1957 schreibt als Ziel für die »als Ziel für die Publikation vor, »Begriffe, die im Alltag und bei der politischen Bildung auftauchen der arbeitenden Masse wie Arbeitenden, Bauern und Bäuerinnen zu erklären und damit ihr Studium zu fördern«.
- 4In diesem Artikel wird das generische Maskulinum der Originalübersetzung beibehalten.
- 5Im »Wörterbuch für die Politik der Masse« aus dem Jahr 2005 fehlt das Schlagwort »Bewegung zum Schutz des Friedens«. Es gibt nur noch Begriffe wie »Friedensstrategie« und »Pazifismus«, die Nordkorea im negativen Sinne benutzt. Letztendlich verschwand die Erinnerung an die Friedensbewegung, an der Nordkorea zu Beginn des Aufbaus des Staates teilgenommen hatte.
- 6Zur »Theorie über das Lagerbildung« ist zu finden: Pak Hyeon-yeong: »Joseon minjuju-uei inmingonghoaguk jeongbu-uei daewe jeongchaek-e gwanghayeo«, in: Inmin, Februar 1946; Zur »das Ziel der Außenpolitik« in D. B. Levin. »Über die Probleme für die außenpolitischen Begriffe«, in: Inmin, März 1949. Beide Texte sind zu finden in: bukhangwangye saryojip Nr. 37 (Sammlung für historische Materialien zu Nordkorea)« (Gwacheon: Guksapyeonchangwiwonhoe, 2002)

