Wer gab den Schießbefehl?

Stand 2020: Na Kyung-Taek ist der ehemalige Leiter des Hauptsitzes von Yonhap News in Gwangju, Jeollanam-do. Mit 31 Jahren dokumentierte er die Geschehnisse in Gwangju 1980 und veröffentlichte seine Fotografien unter Lebensgefahr. Die Fotografien in diesem Beitrag wurden, wenn nicht anders angegeben, von Na Kyung-Taek aufgenommen.
Dieser Artikel ist erstmals 2020 in der Printausgabe vom Koreaforum 27 erschienen.

Über die Aufarbeitung der Geschehnisse von Gwangju 1980

Es war ein strahlend grüner Mai …

Doch Gwangju im Mai 1980 war aschgrau, nein, blutrot. Die Tatsache, dass ich zu dieser Zeit dort war, erfüllt mich mit Gefühlen wie Schrecken, Zorn und Bedauern, die mich noch immer erschaudern lassen. Für einen Fotojournalisten, der die Ereignisse mit eigenen Augen festhalten musste, waren es Tage an der Grenze zwischen Leben und Tod.

Am Nachmittag des 21. Mai, dem Tag, an dem die Bevölkerung Gwangjus die Kriegsrechtstruppen verjagte.

Als ich vom Dach des Daedo-Motels in der Nähe des Verwaltungsgebäudes für die Provinz Jeollanam-do Menschen fotografieren wollte, die von den Kriegsrechtstruppen erschossen wurden, hätte mich fast der gezielte Beschuss eines Militärhubschraubers getötet. Am nächsten Tag versteckte ich meine Kamera in einer Stofftasche und ging hinaus, um die Trauerfahne zu fotografieren, die vor dem Verwaltungsgebäude hing, als mich die Bürger-Miliz mit einem Spion verwechselte und fast totschlug. Es war eine grausame Situation, in der man nie wusste, aus welcher Richtung die nächsten Kugeln kommen würden. Ich konnte mir nicht sicher sein, dass ich es überleben würde. Dennoch tat ich mein Bestes, um nichts zu verpassen und alles aufzuzeichnen, da ich mich berufen fühlte, eines Tages die Wahrheit über Gwangju ans Licht zu bringen.

Meine Tasche war mit Filmen gefüllt, und ich verbarg eine Kamera mit einem 80-200 mm Teleobjektiv und eine Kamera mit einem 28-85 mm Objektiv in meiner Kleidung und nahm alles auf, was ich sah. Die Einwohner, Studenten, Polizisten und Soldaten1 In diesem Artikel wird das generische Maskulinum der Originalübersetzung beibehalten. hassten Fotografen. Niemand wollte fotografiert werden, denn die Einwohner und die Studenten wurden durch die von der Polizei vor Ort aufgenommenen Fotos überführt und verhaftet. Die Polizisten und Soldaten befürchteten, dass ihre Gewalttaten enthüllt werden. Daher blieb mir nichts Anderes übrig, als mich in einem Gebäude zu verstecken und Fotos zu schießen.

Damals herrschte Kriegsrecht, weshalb die Fotos nicht für die Zeitung verwendet werden konnten. Die Lokalzeitung in Gwangju war geschlossen. Nein, der Besitz dieser Fotos selbst musste geheim gehalten werden. Auch nach den Auseinandersetzungen im Mai und der Aufhebung des Kriegsrechts nahm die Unterdrückung von Journalisten durch die »Agency for National Security Planning« (Behörde für die Planung der Staatssicherheit) und den »Führungsstab für die Verteidigungssicherheit« nicht ab. Journalisten wurden weiterhin scharf beobachtet und sie mussten Beschlagnahmungen und Durchsuchungen über sich ergehen lassen.

Junge Protestierende sitzen jubelnd auf einem beschlagnahmten Militärfahrzeug.
Bürger*innen plünderten die Fabrikationsstätte von Asia Automobile. Mit den beschlagnahmten Wagen und Bussen des Militärs fuhren sie durch die Straßen und nahmen an Protesten teil. Auch ältere Bürger*innen schlossen sich den Protesten an.n Foto: Lee Chang-Song

In koreanischen Zeitungen war es nicht möglich, aber ich wollte unbedingt, dass die Auslands- Presse darüber berichtet. Während der Aufstände im Mai hatte ich gemeinsam mit Mun Sun-Tae (Schriftsteller) insgeheim Fotos, welche die Gewalttaten der Kriegsrechtstruppen zeigten, an ausländische Nachrichtenagenturen gesendet. Das Ausland musste die Wahrheit über Gwangju erfahren. Als die Fotos vom Widerstand der Bevölkerung in Gwangju in den USA und anderen Ländern gezeigt wurden, versuchten die Kriegsrechtsbehörden wie verrückt, die Quelle der Bilder ausfindig zu machen. Alle schwiegen.

Taxis stehen kreuz und quer auf einer Kreuzung. Junge Männer sitzen auf den Dächern, Bürger*innen stehen auf der Straße und beobachten die Geschehnisse.
Autos scharen sich auf den Straßen. Nach dem Abzug der Truppen wurden Schulen wieder geöffnet, und Märkte zum Tausch von Lebensmitteln und anderen Waren bildeten sich. Foto: Na Kyung-Taek

Mehrere Jahre lang versteckte ich einen wichtigen Film, der die Gewalttaten der Kriegsrechtstruppen zeigte, in der Zimmerdecke bei mir zuhause. Ich war bereit, zum richtigen Zeitpunkt die Wahrheit über Gwangju der ganzen Welt mitzuteilen. Im Jahr 1987, während der Präsidentschaft von Chun Doo-Hwan, erhielt ich Besuch von Priestern, die dem Gerechtigkeits- und Friedenskomitee des Erzbistums Gwangju angehörten. Sie wollten ein Buch über die Ereignisse im Mai 1980 herausbringen. Ich vertraute den Priestern und holte den Film aus seinem langjährigen Versteck. So konnte ich die Ereignisse dieses Tages in Gwangju vielen Menschen zeigen; Szenen, in denen die Kriegsrechtstruppen mit ihren Schlagstöcken auf die unschuldige Bevölkerung einschlugen.

Das Komitee hielt meinen Namen geheim und schuf einen Bildband zu den Mai-Widerständen mit dem Titel »Gwangju im Mai!«, der über katholische Kirchen im ganzen Land vertrieben wurde. Insgesamt wurden fünf Bände dieses Bildbands publiziert. Im Mai 1987 wurde eine Foto-Ausstellung zum Gwangju-Aufstand in den Ausstellungsräumen im zweiten Stock des katholischen Zentrums in der Geumnam-Straße in Gwangju veranstaltet. Vor dem katholischen Zentrum bildete sich eine lange Schlange von Besuchern, die sich die Bilder ansehen wollten. Sie verlief an der benachbarten Gwangju-Bank vorbei und bis hin zum mehr als 500 Meter entfernten Verwaltungsgebäude für die Provinz Jeollanam-do. Eine Mutter entdeckte in den ausgestellten Fotos sogar ihren Sohn (einen Oberschüler in der Uniform für militärische Übungen), der in den frühen Morgenstunden am 27. Mai in dem Verwaltungsgebäude für die Provinz Jeollanam-do von den Kriegsrechtstruppen erschossen wurde. Die Wahrheit über Gwangju begann Stück für Stück ans Licht zu kommen.

Im Jahr 1990 gab die Regierung dem Gwangju-Aufstand den Namen »demokratische Bewegung Gwangju«, nachdem er bisher als »Rebellion der Bevölkerung in Gwangju« bezeichnet wurde. Im Jahr 1988 hatte die Nationalversammlung einen Sonderausschuss für Gwangju geschaffen, Anhörungen organisiert und für den von den Kriegsrechtsbehörden verwendeten Begriff »Gwangju- Situation« die Bezeichnung »Demokratiebewegung des 18. Mais« festgelegt.

Eine Formation von ca. 100 Fallschirmjägern marschiert an einem Panzer vorbei.
Truppen von Fallschirmjägern formieren sich auf der Geumnam-Straße. Sie wurden spezifisch dafür trainiert, Demonstrationen aggressiv und effizient zu unterdrücken. Dabei fokussierten sie sich auf das Offensive. Ihr Training und ihre Disziplin waren sehr streng, was das gegenseitige Gefühl des Zusammenhalts stärkte. Foto: Na Kyung-Taek

Außerdem wurde die Bestrafung der Verantwortlichen gefordert. Im Jahr 1995 erließ die Regierung ein Sondergesetz zur demokratischen Bewegung. Im Jahr 1997 wurde ein nationaler Gedenktag eingeführt. Es wurde eine neue Grabstätte für den Gwangju-Aufstand geschaffen. Die Messe zum 10. Jahrestag im Mai 1990 wurde von Tji Hak-Soun, dem damaligen Bischof des Bistums Wonju, geleitet, da sich der Erzbischof des Erzbistums Gwangju, Youn Kong-Hi, zu dieser Zeit im Vatikan aufhielt. Bei dieser Messe wurde enthüllt, wer die Fotos zum Gwangju-Aufstand zur Verfügung gestellt hatte; ein Geheimnis, das zehn Jahre lang gehütet worden war. Zu dieser Zeit erhielt ich den »Preis für mutige Journalisten«.

Bei dieser Gelegenheit wurden auch viele Fotos von anderen Journalisten veröffentlicht, die den Widerstand von Gwangju miterlebt hatten. Es begann eine Neubewertung des Aufstands der Bevölkerung in Gwangju. Eine neue Grabstätte wurde errichtet und auch die demokratischen Kämpfer, die auf dem alten Friedhof im Stadtteil Mangwol beerdigt worden waren, wurden auf den Nationalfriedhof umgebettet. So nahm die Suche nach dem richtigen Platz für die Wahrheit dieser Tage ihren Fortgang. Auch Politiker wie Kim Dae-Jung, Kim Young-Sam, Lee Hoi-Chang und Kim Jong-Pil kamen nach Gwangju und sagten: »Die koreanische Demokratisierung begann in Gwangju«.

Dennoch ist bisher ungeklärt, wer den Schießbefehl gab. Im Dezember 2005 wurde die »Truth and Reconciliation Commission« ins Leben gerufen. Durch sie wollte man die Wahrheit über Gwangju ans Licht bringen und herausfinden, wer den Schießbefehl gegeben hatte, aber im Jahr 2010 wurde die Kommission abgeschafft, nachdem sie dazu nicht in der Lage war und eine neue Regierung das Sagen hatte. Ich traf mich mehrere Male mit den Mitgliedern der Kommission. Nachdem sie sich meine Aussage angehört hatten, deuteten sie am letzten Tag an, dass sie schon fast herausgefunden hätten, wer den Schießbefehl gab. Diese Information sollte angeblich bald veröffentlicht werden. Dennoch wurde es weiterhin vertuscht und bis heute nicht bekannt gegeben.

21. Mai um 12:40 Uhr mittags.

Die Kriegsrechtstruppen, die vor dem YMCA-Gebäude in der Straße Geumnam Il-Ga im Osten Gwangjus eine Barrikade errichtet hatten, waren von den Bürgern und den Studenten am Springbrunnen vorbei bis vor den Haupteingang des Verwaltungsgebäudes für die Provinz Jeollanam-do zurückgedrängt worden. Da geschah es. Ich hatte mich im achten Stock des Jeonil-Gebäudes versteckt und schoss weiter Fotos, aber ich fühlte mich unsicher und begab mich zum Haupteingang des Verwaltungsgebäudes. Ich versteckte meine Kameras unter meiner Kleidung, verhielt mich wie ein Geheimpolizist, der Informationen sammelt, und ging zwischen den aufgestellten Fallschirmjägertruppen umher. Ich hörte ganz deutlich, wie Hauptmann Cha einen Funker mit Nachdruck fragte: »Wie sieht es mit dem Schießbefehl aus?«. Nach 10 Minuten berichtete der Funker dem Hauptmann mit lauter Stimme: »Der Schießbefehl wurde erteilt«. So begannen sie, auf die Bevölkerung zu schießen. Ich habe als einziger Zivilist die Worte »Schießbefehl« direkt gehört, aber es ist immer noch nicht klar, wer den Schießbefehl gegeben hat.

Die Stadt Gwangju hat im Jahr 2009 zum 29. Jahrestags der Ereignisse die Gesamtzahl derer veröffentlicht, die bei den Auseinandersetzungen getötet oder verletzt wurden. Es waren 163 Tote, 166 Vermisste, 101 Personen, die an ihren Verletzungen gestorben sind, 3.139 Verletzte, 1.589 Personen, die verhaftet und eingesperrt wurden, und fünf Opfer, die bisher nicht identifiziert und ohne Grabinschrift beerdigt wurden. Insgesamt sind es also 5.189 Personen. Auf Seiten der Bereitschaftspolizei gab es vier Tote, und 22 Soldaten verloren ihr Leben. Diese wurden am 21. Juni 1980 auf dem Seouler Nationalfriedhof beerdigt.

Die Wahrheit über Gwangju ist noch immer in einem Labyrinth aus Lügen gefangen. Die Regierung von Lee Myung-Bak und auch die Regierung von Park Geun-Hye waren wohl nicht an einer weiteren Aufklärung interessiert. Auch wenn die ganze Wahrheit noch nicht aufgedeckt ist, denke ich, dass es auch den Journalisten, die ihre Stellung gehalten und die Geschehnisse aufgezeichnet haben, zu verdanken ist, dass der Gwangju-Aufstand heute als Demokratiebewegung betrachtet wird.

Bei Anhörungen im Jahr 1988 zu den Ereignissen in Gwangju wurden den Abgeordneten Fotos der Auseinandersetzung gezeigt und viele Offiziere der Kriegsrechtstruppen legten ein Geständnis ab. Im Jahr 2001 wurde durch interne Enthüllungen bekannt, dass die Fallschirmjägertruppen, die bei der Niederschlagung der Aufstände teilgenommen hatten, unbewaffnete Zivilisten erschossen und heimlich beerdigt hatten. Im Jahr 2011 wurden die Filme und andere Aufzeichnungen des Gwangju-Aufstands bei der UNESCO registriert. Die Ereignisse wurden »Volksaufstand von Gwangju« genannt.

Mitglieder der Bürgerarmee stehen mit gezückten Gewehren in einem Raum ohne Schaufensterscheiben.
Mitglieder der Bürgerarmee, bewaffnet mit Gewehren. Foto: Lee Chang-Song

Die Fotos des Aufstands in Gwangju, die bis dahin nur in der Umgebung Gwangjus ausgestellt wurden, waren ab Mai 2013 zum 33. Jahrestag drei Monate lang im Goeun Museum of Photography im Stadtteil Haeundae in Busan zu sehen. Viele der Besucher aus Busan, die zur Fotoausstellung kamen, fragten ungläubig, ob wirklich so viele Bürger Gwangjus im Jahr 1980 den Aufständen zum Opfer fielen und schüttelten bestürzt ihre Köpfe.

Im April 2016 zeigte und erklärte ich Fotos vom Gwangju-Aufstand in einer 50-minütigen Sendung namens »Dalbit Sohwaje«, die von den Sendern MBC Gwangju und MBC Daegu gemeinschaftlich in der Stadt Daegu produziert wurde. Bürger aus Daegu erzählten von der dortigen Demokratiebewegung im Jahr 1960. Diese Sendung wurde vor dem Jahrestag der Aufstände in beiden Regionen etwa dreimal ausgestrahlt. Ich schlug vor, in Zukunft die Bilder aus Gwangju in Daegu und die Bilder aus Daegu in Gwangju auszustellen.

Fotografien sind Dokumente und besonders Schwarz-Weiß-Filme lügen nicht. Die Aufzeichnungen stehen vor der Erinnerung. Das Goeun Museum of Photography hat Partnerschaften mit Großbritannien, Deutschland, der Schweiz, Frankreich und Japan geschlossen und plant, der Reihe nach auch in diesen Ländern die Fotos des Gwangju-Aufstands auszustellen.

Im National Museum of Korean Contemporary History in Gwanghwamun (Seoul) wurden ab April 2015 drei Monate lang Fotos unter der Überschrift »Der Weg der koreanischen Demokratisierung« ausgestellt. Diese Ausstellung umfasste Fotos der April-Revolution im Jahr 1960, der Aufstände in Gwangju im Jahr 1980 und der Juni-Proteste im Jahr 1987. Es war das erste Mal, dass der Gwangju-Aufstand in einem staatlichen Museum für Geschichte behandelt wurde.

Im März 2017 wurde die Präsidentin Park Geun-Hye unter Anklage gestellt, abgesetzt und verhaftet. Im Juni wurde dann Moon Jae-In, der Kandidat der Minju-Partei, zum Präsidenten gewählt. Präsident Moon nahm an der Gedenkfeier zum 37. Jahrestag, die auf dem 18. Mai-Nationalfriedhof stattfand, teil und versprach der Bevölkerung in seiner Ansprache, dass aufgeklärt werden muss, wer den Schießbefehl im Mai 1980 gab.

Im August kam der Film »A Taxi Driver« in die Kinos, in dem der deutsche Journalist Jürgen Hinzpeter der Protagonist ist, und auch ich, der koreanische Journalist Na Kyung-Taek, thematisiert werde. Jürgen Hinzpeter hatte vom Gwangju-Aufstand berichtet und diesen weltweit bekannt gemacht. In nicht einmal zwei Wochen sahen sich mehr als 10 Millionen Menschen den Film an. Durch die Veröffentlichung des Films wird der Gwangju-Aufstand im ganzen Land zum Thema. Auch die haltlose Behauptung, die von manchen Personen und Internetzeitschriften verbreitet wird, dass 600 nordkoreanische Soldaten in Gwangju den Aufstand angezettelt hätten, ist mittlerweile verschwunden. Zuletzt hatte ich unter der Leitung des deutschen Korea Verband e.V. in der Gedenkstätte Lindenstraße in Potsdam, die in der Vergangenheit als Untersuchungsgefängnis für politische Häftlinge genutzt wurde, Fotos des Gwangju-Aufstands ausgestellt.

Neuste Medienberichte geben Aufschluss darüber, dass die Kriegsrechtstruppen vor 37 Jahren 510.000 Schüsse in Gwangju abgegeben haben und einen mit Luft-Boden-Bomben bewaffneten Jagdflieger in Alarmbereitschaft versetzten. Auch der Beschuss durch einen Hubschrauber, der mit der Gatling-Maschinenkanone »Vulcan« bewaffnet war, wurde bekannt. Wenn man bedenkt, dass Handgranaten, TOW-Panzerabwehrraketen und TNT-Sprengsätze vorbereitet wurden, mit denen man Gebäude sprengen und einstürzen lassen kann, wird deutlich, dass die Bevölkerung Gwangjus als Feind und nicht als Teil des eigenen Volkes angesehen wurde. Durch die Medien wurde sogar bestätigt, dass man vorgehabt hatte, ein systematisches Blutbad anzurichten, wie es bei der Bekämpfung der Vietcong im Vietnamkrieg geschehen war. Wenn ich an die Gräueltaten der Armee denke, läuft es mir kalt den Rücken hinunter.

Übersetzt aus dem Koreanischen von Jonas Palussek und Lee Konmin

Zusatzinfo:

Im Dezember 2019 wurden im Gefängnis von Gwangju Überreste von etwa 40 Menschen gefunden. Mittels DNA-Tests wird nun versucht, die Überreste zu identifizieren und überprüft, ob es sich um Opfer des Gwangju-Aufstandes handelt, die als vermisst gemeldet wurden.

In den letzten Jahren wurden Vorwürfe erhoben, dass die Kriegsrechtstruppen mit Hubschraubern auf die Demonstrierenden schossen. Ebenso wurde sexualisierte Gewalt von Kriegsrechtstruppen an Frauen aufgedeckt, doch die Militärbeamten bestreiten dies.

In seinem 2017 veröffentlichten Gedenkbuch beschuldigte der frühere Präsident Chun Doo-Hwan den Pastor Cho Pius (조비오,†), der zum Beschuss durch Hubschrauber auf dem Gwangju-Aufstand aussagte, ein »skrupelloser Lügner« zu sein. Chun Doo-Hwan wurde daraufhin im Mai 2018 wegen Verleumdung angeklagt. Der erste Prozess begann im März 2019, nachdem er zunächst behauptet hatte, an Alzheimer zu leiden und nicht mehr vor Gericht erscheinen zu können. Er wird voraussichtlich am 27. April 2020 an einem weiteren Prozess vor dem Landesgericht Gwangju teilnehmen.

Die Änderung des Sondergesetzes zum Gwangju-Aufstand wurde im Januar 2019 verabschiedet. Im Januar 2020 wurde die Untersuchungskommission offiziell ins Leben gerufen. Obwohl 52 Mitglieder der Kommission daran arbeiten, die Wahrheit über Gwangju ans Licht zu bringen, gibt es Bedenken, dass die Kommission aufgrund des Mangels an Ermittlungsbefugnissen in ihrer Arbeit grundlegend eingeschränkt ist. Wenn jedoch ein Verbrechen aufgedeckt wird, kann die Kommission eine Ermittlung durch Staatsanwälte und eine Durchsuchung zur Sicherung von Beweismitteln beantragen und das Parlament zur Ernennung eines Sonderstaatsanwalts auffordern.

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    In diesem Artikel wird das generische Maskulinum der Originalübersetzung beibehalten.