Seit Dezember 2024 wurden vor dem Brandenburger Tor in Berlin regelmäßig Rufe laut, die den Schutz der Demokratie in Korea forderten. Es handelte sich um Kundgebungen gegen das Kriegsrecht, das der ehemalige Präsident Südkoreas, Yoon Suk-yeol, ausgerufen hatte. Für die im Ausland lebenden Koreaner*innen war dies eine schockierende Nachricht und sie organisierten spontan eine Kundgebung, die die Amtsenthebung forderte.
Die Gründe, warum Yoon das Kriegsrecht verhängte, sind bis heute nicht 100 Prozent geklärt. In seiner Ansprache am Abend des 3. Dezembers erklärte er, ___STEADY_PAYWALL___
es handele sich um eine Maßnahme zum Schutz der nationalen Sicherheit. Zudem warf er der Demokratischen Partei vor, mit Nordkorea zu sympathisieren und durch „staatsfeindliche Aktivitäten“ den Frieden zu gefährden. Yoons Verhängung des Kriegsrechts wird bis heute als ein gefährlicher Versuch gewertet, politische Gegner zu unterdrücken und seine eigene Macht zu sichern.
In der modernen koreanischen Geschichte wurde das Kriegsrecht wiederholt von autoritären Regimen als Mittel eingesetzt, um die Grundrechte der Bürger*innen einzuschränken, und auch in diesem Fall drohte sich die Geschichte zu wiederholen. Die Nachricht über Yoons Versuch, das Kriegsrecht zu verhängen, rief historische Erinnerungen wach und stieß auf starken Widerstand – sowohl in der südkoreanischen Zivilgesellschaft als auch in der Diaspora sowie bei internationalen Verbündeten.
Berlin, geprägt von der Erinnerung an Teilung, Diktaturen und Wiedervereinigung, war nicht nur für die deutsche Demokratie bedeutsam, sondern auch für koreanische Migrant*innen ein historisch wichtiger Ort des Widerstands gegen das autoritäre Regime in ihrer Heimat. Die Kundgebungen in Berlin sind daher als ein Kapitel in der Geschichte des Widerstands koreanischer Migrant*innen zu betrachten. Auch wenn sie nach außen von vielfältigen Reden, Slogans und Liedern geprägt waren, standen dahinter die Planungen, Diskussionen und unzähligen Überlegungen derjenigen, die diese Veranstaltungen vorbereiteten. Dieses Interview möchte diese Hintergründe sichtbar machen. Es soll zeigen, wie sich die politische Stimme der koreanischen Diaspora formt.
Das Interview führte Nammyoung Hong mit Im Dahye (freie Aktivistin) und Seo Eui Ok (Vorsitzende des Solidarity of Korean People in Europe [한민족 유럽 연대]) im Sommer 2025. Seo Eui Ok initiierte und gestaltete aktiv die Planungs- und Diskussionsprozesse mit und war meist persönlich anwesend. Im Dahye beteiligte sich an der Programmgestaltung der Kundgebungen und war hauptsächlich für die Moderation zuständig.
Sie leben im Ausland, interessieren sich aber dennoch für die koreanische Politik. Wie verfolgen Sie diese? Und wie ist Ihre Einschätzung zu den aktuellen Entwicklungen in Südkorea?
Im Dahye:
Ich interessiere mich sehr für die koreanische Politik. Meistens lese ich Artikel oder informiere mich über YouTube-Kanäle verschiedener Medien wie zum Beispiel Newstapa. Über die koreanische Politik empfinde ich oft Frustration, aber ich habe auch Hoffnung.
Seo Eui Ok:
Ich habe großes Interesse an Politik, insbesondere an der koreanischen Politik. Über YouTube, Online-Zeitungen und soziale Medien verfolge ich aktuelle Themen und widme diesen viel Zeit.
In den späten 1970er Jahren, während der strengen Militärdiktatur von Park Chung-hee, begann ich, mich an Widerstandsbewegungen in Berlin zu beteiligen. Auch während der Gwangju-Demokratisierungsbewegung 1980 und unter der Militärdiktatur von Chun Doo-hwan habe ich kontinuierlich an der Demokratiebewegung teilgenommen.1 Der Gwangju-Aufstand war ein Massenprotest gegen die südkoreanische Militärregierung, der zwischen dem 18. und 27. Mai 1980 in der südlichen Stadt Gwangju stattfand. Fast eine Viertelmillion Menschen beteiligten sich an dem Aufstand. Obwohl er brutal niedergeschlagen wurde und zunächst keine demokratischen Reformen in Südkorea herbeiführen konnte, gilt er als entscheidender Moment im Kampf Südkoreas für Demokratie. (https://www.britannica.com/event/Gwangju-Uprising)
Aus fast fünfzig Jahren Erfahrung vor Ort habe ich gelernt, dass sich die Geschichte niemals schnell bewegt. Fortschritt ist langsam und manchmal schmerzhaft, aber ich habe mit der Überzeugung durchgehalten, dass er niemals stillstehen darf. Ich glaube, dass man den langen Atem, die Geduld und den Willen für die Demokratie niemals aufgeben darf. Der Wille zur sozialen Gerechtigkeit ist für mich gelebte Nächstenliebe und die grundlegende Basis für ein menschenwürdiges Leben.
![[Das Bild zeigt Seo Eui Ok und Im Dahye bei einer Abendkundgebung. Seo Eui Ok hält eine Kerze und hat ein Poster um den Hals gehängt, das die sofortige Amtsenthebung Yoon Suk-yeols fordert. Dahye steht währenddessen am Mikrophon und moderiert die Kundgebung.]](https://korefor-dev.koreaverband.de/wp-content/uploads/2026/03/Berlin-Yoon-demos_2.png-768x1024.jpg)
Was dachten Sie über die Regierung des ehemaligen Präsidenten Yoon Suk-yeol?
Dahye:
Ich war jedes Mal überrascht, wenn ich in den Nachrichten von Handlungen las, die den gesunden Menschenverstand völlig missachteten. Gleichzeitig hatte ich Angst, welche ungerechten Situationen entstehen und welche Opfer es geben könnte.
Eui Ok:
Als ich von seiner Wahl hörte, war es, als sei ein Albtraum Wirklichkeit geworden. Der Schock, die Enttäuschung und die tiefe Verzweiflung in diesem Moment sind mir bis heute lebendig. Eine Woche lang war ich niedergeschlagen und deprimiert.
Ich denke, dass das von Yoon und seinen Gefolgsleuten beherrschte Südkorea die Hälfte der Bevölkerung in kollektive Depression und Mutlosigkeit gestürzt hat. Hätte er das Kriegsrecht durchgesetzt und damit Erfolg gehabt, wären nicht nur die Republik Korea, sondern auch die Zukunft der gesamten koreanischen Halbinsel in eine ernsthafte Krise geraten.
Wann und wie haben Sie die Nachricht über das Kriegsrecht erfahren? Und was war Ihr erster Gedanke dabei?
Dahye:
Ich aß mit einer Freundin an einer Uni in London zu Mittag und hatte mich gerade hingesetzt, als mich mehrere Bekannte kontaktierten. Über die Nachrichten erfuhr ich dann, was genau geschehen war. Ich machte mir Sorgen um meine Familie in Korea.
[…]Am Tag der Verkündung des Kriegsrechts erhielt ich aus aller Welt Nachrichten von Bekannten, die sich Sorgen um mich und meine Familie machten. Mit der Zeit zeigten sie sich immer mehr überrascht darüber, dass Yoon Suk-yeol noch immer nicht abgesetzt oder verhaftet worden war.
Eui Ok:
Eine Bekannte, mit der ich lange keinen Kontakt hatte, schrieb mir: „Frau Seo, es ist etwas Schreckliches passiert. Dieser verrückte Yoon Suk-yeol hat das Kriegsrecht ausgerufen.“ Ich öffnete sofort YouTube und fand dort Berichte, die ihre Nachricht bestätigten. Ich antwortete ihr: „Wenn die Nationalversammlung das Kriegsrecht aufhebt, tritt es nicht in Kraft.“ Mein Herz begann heftig zu klopfen, und mir liefen die Tränen.
Als Erstes kamen mir die jungen Menschen in den Sinn, die während des Gwangju-Aufstands wie Fische an einer Schnur zusammengebunden und verschleppt wurden. Und ich sah vor meinem inneren Auge unzählige Gesichter, die von Soldaten mit dem Gewehrkolben bedroht und abgeführt wurden.
Ich möchte nun Fragen zur Organisation der Kundgebungen stellen. Wann haben Sie mit der Planung begonnen und was war der Auslöser für Ihre Partizipation?
Eui Ok:
[Als ich von der Verhängung des Kriegsrechts erfuhr] legte ich meine Angst und Unsicherheit beiseite und begann sofort, eine Protestkundgebung vorzubereiten. In verschiedenen sozialen Netzwerken veröffentlichte ich einen Aufruf, um Mitstreiter*innen für die Organisation zu gewinnen. Daraufhin schlossen sich der Korea Verband e.V., Council for Reconciliation and Cooperation on the Korean Peninsula in Deutschland (민화협), Solidarity of Korean People in Europe sowie viele Einzelpersonen an.
Zunächst bildeten wir das „Berliner Organisationsnetzwerk für Yoons-Rücktritt-Kundgebungen“ und meldeten die Versammlung offiziell an. Rund 30 Personen nahmen an der Vorbereitung teil. Von der ersten Kundgebung am 5. Dezember bis zur Amtsenthebung Yoons am 4. April war ich fast immer anwesend, mit Ausnahme von zwei Terminen.
Mir war es wichtig, auch im Ausland eine warnende Stimme gegen die Kräfte des Staatsstreichs zu erheben, die das Leben von uns allen vollständig negieren. Ebenso empfand ich es als bedeutsam, durch die Kundgebung Solidarität und Respekt gegenüber allen auszudrücken, die in Südkorea Tag und Nacht, bei klirrender Kälte und Schneesturm, das Land verteidigten.
Dahye:
Ich glaube, ich habe ab der vierten Kundgebung mitgemacht. Ich musste einfach etwas tun. Als ich in London die Nachrichten vom Kriegsrecht sah, hörte ich auch, dass es in Berlin eine Kundgebung gegeben hatte. In London versuchten wir ebenfalls, eine Kundgebung zu organisieren, aber ohne eine größere Basisbewegung koreanischer oder Korea-interessierter Aktivist*innen war es in vielerlei Hinsicht schwierig. Ich vermisste auch die Mitstreiter*innen, die in Berlin aktiv sind. Deshalb habe ich mich sofort nach meiner Rückkehr an der Planung der Berliner Kundgebungen beteiligt.
![[Das Foto zeigt Dahye mit der transportierbaren Friedensstaute “Yong-i”. Dahye selbst trägt wie die Friedensstaue einen Hanbok mit geblümter Bluse und grünem Rock.]](https://korefor-dev.koreaverband.de/wp-content/uploads/2026/03/Berlin-Yoon-demos_3.png-768x1024.jpg)
Ich möchte gern die Message der Kundgebungen etwas genauer betrachten. Welche persönliche Bedeutung hatten sie für Sie? Welche Botschaft wollten Sie mit dieser Kundgebung an die koreanische und die deutsche Gesellschaft senden?
Dahye:
(Für mich waren diese Kundgebungen) ein Mittel, um meine Meinung zu äußern, und ein Raum, in dem ich mich mit Gleichgesinnten solidarisieren konnte. (Mit der Kundgebung) wollte ich auf die Absetzung Yoon Suk-yeols und die Notwendigkeit einer Justizreform aufmerksam machen.
Eui Ok:
Bis zur Amtsenthebung und Inhaftierung Yoon Suk-yeols gab es viele schlaflose Nächte voller Unruhe. Dennoch ist die Tatsache, dass wir es am Ende geschafft haben, für mich eine wertvolle Erfahrung, bei der ich die Macht demokratischer Bewegungen am eigenen Leib gespürt habe. Ich habe gelernt, dass Regierung, Parlament und Bürger*innen jeweils ihre ganz eigene Verantwortung gewissenhaft wahrnehmen müssen, wenn sie das Land nicht unmenschlichen, antiintellektuellen und antidemokratischen Kräften überlassen wollen. Kundgebungen sind in diesem Zusammenhang eine unbedingt notwendige Form des politischen Handelns.
Ich wollte auch der deutschen Gesellschaft den Geist des Widerstands in der koreanischen Bevölkerung zeigen – einen Geist, der sich der Ungerechtigkeit nicht beugt und ein ausgeprägtes politisches Bewusstsein widerspiegelt. Ebenso war es mir sehr wichtig, die Ernsthaftigkeit der politischen Lage in Südkorea international sichtbar zu machen. Allerdings waren diese Kundgebungen solche, an denen Deutsche kaum teilnehmen konnten. Zwar wurden gelegentlich englische Worte eingestreut, aber im Wesentlichen fanden die Kundgebungen auf Koreanisch statt. Wir sollten auch unsere Geschlossenheit hinterfragen – und überlegen, warum wir in Deutschland demonstrieren. Wenn das Ziel darin bestand, unsere Wut auszudrücken und uns damit einfach nur selbst zu genügen, dann haben wir dieses Ziel natürlich erreicht.
![[Das Bild ist ein Selfie, das die Organisatorinnen Seo Eui Ok und Eunyoung bei einer Abendkundgebung vor dem Brandenburger Tor zeigt.]](https://korefor-dev.koreaverband.de/wp-content/uploads/2026/03/Berlin-Yoon-demos_4.png-768x1024.jpg)
Gab es Schwierigkeiten während der Organisation oder während der Kundgebungen selbst?
Eui Ok:
Am schwierigsten waren die zwischenmenschlichen Beziehungen. Es schmerzt mich, dass einige Menschen aufgrund kleiner Meinungsverschiedenheiten den Kundgebungen fernblieben. Auch Konflikte, über Führungsrollen, sowie Missverständnisse durch unzureichende Kommunikation, erwiesen sich als problematisch. Starke, kluge Persönlichkeiten vertraten ihre eigenen Positionen oft so beharrlich, dass sie, wenn diese nicht durchgesetzt wurden, lieber gar nicht zur Kundgebung kamen. Statt eine gemeinsame Basis im Sinne des großen Ziels zu finden, entschieden sich manche leider dafür, nicht teilzunehmen – das bedauere ich sehr.
Dahye:
Ich finde, eine der großartigsten Eigenschaften der Berliner Aktivismus-Szene innerhalb der koreanischen Diaspora ist, dass verschiedene Generationen gemeinsam Kundgebungen planen und durchführen. Auch wenn die konkreten Ansichten unterschiedlich sein mögen, teilen wir eine gemeinsame Richtung, und diese geteilten Werte ermöglichen eine Solidarität, die Generationsunterschiede überwindet. Interessanterweise gab es bei dieser Kundgebung auch Momente, in denen ich eine schwer zu überbrückende Distanz zu einigen Vertreter*innen der älteren Generation spürte – das war eine der Herausforderungen. Aber diese Schwierigkeiten waren nur ein sehr kleiner Teil. Insgesamt habe ich auch diesmal wieder eine generationenübergreifende Solidarität und gegenseitigen Respekt erlebt, was mich sehr gefreut hat.
Was war für Sie der eindrucksvollste Moment im Zusammenhang mit diesen Kundgebungen?
Dahye:
Mir ist die Szene in Erinnerung geblieben, in der wir alle gemeinsam vor dem Brandenburger Tor verschiedene Volkslieder aus unterschiedlichen Zeiten gesungen und dazu getanzt haben.1 In Südkorea spielt das Singen von Liedern eine zentrale Rolle in der Protestkultur. Auch bei den aktuellen Demonstrationen werden unterschiedliche musikalische Traditionen aufgegriffen, um Stimmung zu machen. Dabei ertönen zum einen Lieder, die bereits in den 1970er Jahren im Kontext deri Demokratiebewegungen gesungen wurden, etwa das bekannte Gedenklied an den 18. Mai. Zum anderen werden international bekannte Melodien, wie Weihnachtslieder, mit neuen, kritischen Texten über Präsident Yoon Suk-yeol vertextet und gesungen. In jüngster Zeit sind bei Protesten vermehrt weit bekannte K-Pop-Hits mit hoffnungsvollen Botschaften zu hören, die vor allem die jüngere Generation einsetzt – darunter insbesondere Songs der „Girls’ Generation“.
Eui Ok:
Bei der ersten und zweiten Kundgebung waren viele Menschen anwesend. Besonders beeindruckt hat mich die großartige Rede eines Grundschülers mit einem bemerkenswerten Geschichtsbewusstsein. In den verschiedenen Wortmeldungen konnte ich die Reife und Entwicklung der koreanischen Gesellschaft spüren und auch Hoffnung für die Zukunft der Republik Korea sehen. Beeindruckend war auch das Gemeinschaftsgefühl, das ich bei diesen Kundgebungen empfand. Bis zur 8. Kundgebung waren alle Veranstaltungen ein fröhlicher Ort des Widerstands, an dem sich Gesang und Tanz zu einer festlichen Atmosphäre vereinten. Unser festlich geprägter Widerstand könnte der deutschen Gesellschaft ein frisches und beeindruckendes Beispiel sein.
Besonders wichtig war für mich, dass wir uns bemüht haben, die folgenden vier Richtlinien für eine respektvolle Demonstrationskultur einzuhalten:
- Keine abwertenden Äußerungen gegenüber Frauen, Jugendlichen, Menschen mit Behinderungen, sexuellen Minderheiten oder Arbeitsmigrant*innen.
- Keine öffentlichen oder persönlichen Bemerkungen zum Aussehen einer Person (auch keine Komplimente).
- Respektvolle Anredeform wahren.
- Kein herablassendes oder hierarchisches Sprechen (insbesondere keine Formulierungen wie „brav“ oder „tüchtig“ gegenüber Jugendlichen).
Abschließend möchte ich meine tiefe Dankbarkeit gegenüber Jang Eunyoung und Im Dahye ausdrücken, die von der ersten bis zur letzten Kundgebung mit Leidenschaft die Veranstaltungen geführt und geschützt haben. Die Geduld, das Verantwortungsbewusstsein und die Beständigkeit dieser beiden jungen Menschen waren bewundernswert.
Planen Sie nach den Kundgebungen gegen Yoon weitere Aktionen oder Projekte im Zusammenhang mit der Demokratie in Südkorea oder Deutschland?
Eui Ok:
Unsere Aufmerksamkeit gilt aufgrund verschiedener Entwicklungen vor allem der koreanischen Politik. Eigentlich sollten wir uns jedoch auch für die Politik vor Ort in Berlin interessieren. Ich denke, wir sollten uns in Deutschland an Bewegungen gegen den Rechtsextremismus und an Umweltbewegungen beteiligen und unser gesellschaftliches Engagement hier verankern.
Zugleich habe ich erneut die Kraft der Bevölkerung gespürt, die in der Lage ist, faschistische Putschkräfte zu vertreiben. Es erfüllt mich mit Genugtuung, dass der bisherige Kampf nicht vergeblich war. Für die Zukunft des Friedens auf der koreanischen Halbinsel werde ich mich intensiv für die Abschaffung des Nationalen Sicherheitsgesetzes einsetzen.
Möchten Sie den Leser*innen dieses Interviews noch etwas mit auf den Weg geben?
Eui Ok:
Solange keine Revolution stattfindet, verändert sich die Geschichte nicht von heute auf morgen. Ich habe zutiefst gespürt, dass alle Veränderungen ihre Verfahren und Prozesse haben.
Von der düsteren Yushin-Diktatur bis zum Aufstand von 1987 gab es nur sehr wenige Menschen, die offen von Demokratie sprachen – denn sie wurden sofort unterdrückt und verhaftet. Seit 1987 hat sich die Demokratie in Korea immer weiterentwickelt und schließlich zur vierten demokratischen Regierung geführt. Dies ist das Ergebnis einer wachsenden politischen Einsicht in der Republik Korea.
Doch wir stehen immer noch vor der großen Aufgabe, die pro-japanischen Verräter*innen und die Überreste des Putsches unschädlich zu machen. Wir dürfen den Kampf für eine integere Gesellschaft ohne unrechtmäßig erworbenen Reichtum und Privilegien, für eine Welt, in der alle Menschen gleich sind, und für eine Gesellschaft, in der die Würde von Migrant*innen, sozial Schwachen und Menschen mit Behinderungen garantiert wird, niemals aufgeben.
- 1In Südkorea spielt das Singen von Liedern eine zentrale Rolle in der Protestkultur. Auch bei den aktuellen Demonstrationen werden unterschiedliche musikalische Traditionen aufgegriffen, um Stimmung zu machen. Dabei ertönen zum einen Lieder, die bereits in den 1970er Jahren im Kontext deri Demokratiebewegungen gesungen wurden, etwa das bekannte Gedenklied an den 18. Mai. Zum anderen werden international bekannte Melodien, wie Weihnachtslieder, mit neuen, kritischen Texten über Präsident Yoon Suk-yeol vertextet und gesungen. In jüngster Zeit sind bei Protesten vermehrt weit bekannte K-Pop-Hits mit hoffnungsvollen Botschaften zu hören, die vor allem die jüngere Generation einsetzt – darunter insbesondere Songs der „Girls’ Generation“.
![[Das Bild ist ein Gruppenfoto der Demonstrierenden nach der Kundgebung am Abend des 13. Dezember 2024. Die Gruppe steht vor dem beleuchteten Brandenburger Tor. Das große Banner vor der Gruppe sagt “윤석열 즉각 퇴진하라, Yoon Suk-yeol, tritt sofort zurück”]](https://korefor-dev.koreaverband.de/wp-content/uploads/2026/03/Berlin-Yoon-demos_1-768x576.png)